Rosmarie Peter, Juristin und Prsidentin des Quartiervereins Tss-Dorf hat die ersten zwei Tage des Erb-Prozesses miterlebt; hier ihr Bericht:
Montag, 23. Januar: Zum Prozessauftakt will ich als Tssemerin unbedingt dabei sein. Da es im Vorfeld hiess, es seien nur 30 Pltze frs Publikum vorhanden, mache ich mich am Montag frhmorgens auf den Weg, im Gepck eine Thermosflasche mit Tee und ein Konfi-Sandwich. Dank schlanker Busverbindungen bin ich bereits um 06:45 Uhr vor dem Bezirksgericht. Ich bin die Erste.

Mit der Zeit trudeln einige JournalistInnen ein. Um 07:15 ist Trffnung. Nach der Sicherheitskontrolle kann ich meine Platzkarte entgegennehmen. Da der grosse Gerichtssaal nur fr die Parteien und einige wenige JournalistInnen ausreicht, mssen die anderen JournalistInnen und das Publikum den Prozess in einem Saal im ersten Stock per Videobertragung verfolgen. Um 07:40 will ich nochmals raus, um dem Medienrummel zuzuschauen. Als ich den Kopf zur Eingangstr rausstrecke, sehe ich mich Aug in Auge mit Dutzenden von Kameralinsen. Die warten alle auf Rolf Erb. Schnell ziehe ich mich wieder ins Gebudeinnere zurck.
Um 08:00 gehts los. Wider Erwarten hat es im Publikums-Saal noch freie Pltze. Rolf Erb wird zunchst zu seiner Gesundheit befragt. Er erklrt, er habe eine Herzoperation gehabt. Seine Gesundheit werde nie mehr wirklich gut sein. Aber heute gehe es ihm recht gut. Wenn er eine Pause brauche, werde er sich melden. Zuerst sind prozessuale Vorfragen zu klren. Schon letzte Woche hat Rolf Erb ein Gesuch um Verschiebung der Verhandlung um mehrere Monate gestellt, weil er pltzlich zu Geld gekommen ist und nun neue VerteidigerInnen mandatiert hat, die sich zuerst in die umfangreichen Akten einarbeiten wollen. Das Gesuch wird heute nochmals behandelt. Dazu wird zuerst Rolf Erb befragt. Er sagt, er habe das Vertrauen in seine Pflichtverteidiger verloren. Diese htten in der Untersuchungsphase ein Gesuch um Kostengutsprache fr einen Expertenbeistand gestellt, welcher fr sie das von der Staatsanwaltschaft in Auftrag gegebenen Gutachten htte analysieren sollen. Der Antrag sei jedoch sowohl vom Bezirksgericht als auch vom Obergericht abgewiesen worden. Er habe erkannt, dass seine Anwlte die falsche Strategie gewhlt htten. Familienangehrige seiner Lebenspartnerin htten nicht verstanden, dass er nicht mit gleichen Waffen kmpfen drfe wie die Gegenseite. Sie seien daher bei der Finanzierung neuer Anwlte eingesprungen. Die mehrfach gestellte Frage, ob er das Gefhl gehabt habe, seine bisherigen Anwlte htten nicht gengend Kenntnisse, um das Gutachten zu analysieren, beantwortet er nicht klar. Als Nchstes wird das Gesuch von den vier (!) VerteidigerInnen ausgiebig begrndet. Rechtsanwltin Delnon, die neue Verteidigerin, begrndet das Verschiebungsgesuch zustzlich damit, dass bei der Staatsanwaltschaft im Keller noch Akten lagerten, die dem Gericht nicht zur Verfgung stnden und in die Rolf Erb und seine Pflichtverteidiger nur kurz Einsicht erhalten htten. Danach pldieren die beiden VertreterInnen der Staatsanwaltschaft und ein Geschdigtenvertreter.
Schon sind mehr als zwei Stunden um. Das Gericht macht eine Beratungspause. Erste Meldungen werden telefonisch an die Redaktionen weitergeleitet, und das Caf auf der anderen Strassenseite fllt sich.
Nach der Pause erffnet Bezirksgerichtsprsident Sager den Entscheid: Das Entlassungsgesuch der Pflichtverteidiger wird abgewiesen. Sie mssen also Rolf Erb weiterhin verteidigen. Das Verschiebungsgesuch wird abgewiesen. Die neuen erbetenen VerteidigerInnen werden zustzlich zum Verfahren zugelassen. Der Bezirksgerichtsprsident bezeichnet das Gesuch als rechtsmissbruchlich, was doch ein happiger Vorwurf ist. Die JournalistInnen rennen raus, um die Nachricht brhwarm weiterzugeben.
Nach der Mittagspause werden weitere prozessuale Vorfragen geklrt. Pflichtverteidiger Hrovat stellt erneut ein Gesuch um Kostengutsprache fr einen Experten, der fr die Verteidigung das Gutachten analysieren soll. Dies, obwohl das Obergericht schon zwei solche Gesuche abgewiesen hat. Erneut wird ausgiebig pldiert. Nach der Beratungspause wird das Gesuch erwartungsgemss abgewiesen. Danach wird die Verhandlung fr heute geschlossen.
Die Pflichtverteidiger verlassen das Bezirksgebude schon bald. Nach lngerer Warterei kommen dann auch Rolf Erb und seine neuen VerteidigerInnen heraus. Whrend Rechtsanwltin Delnon und Rechtsanwalt Rdy den Medien Auskunft geben, steht Rolf Erb ziemlich verloren daneben.

Dienstag, 24. Januar: Die neuen erbetenen VerteidigerInnen erscheinen heute nicht. Das ist auch folgerichtig, nachdem sie gestern erklrt haben, sie mssten sich zuerst einarbeiten.
Gerichtsprsident Sager fasst die Anklageschrift kurz zusammen. Dann stellt Staatsanwltin Leu ihre Antrge. Sie beantragt 10 Jahre Freiheitsstrafe sowie Beschlussfassung ber die gesperrten Liegenschaften und Vermgenswerte.
Nun ist die persnliche Befragung von Rolf Erb dran. Dieser verliest jedoch zuerst eine Stellungnahme. Es falle ihm nicht leicht, dem Gericht zu antworten. Die Abweisung der prozessualen Antrge habe ihm gezeigt, dass er kein gerechtes Verfahren zu erwarten habe. Der persnliche Vorwurf an ihn, er habe rechtsmissbruchlich gehandelt, habe ihn schockiert. Er verzichte daher darauf, die Fragen des Gerichts zu beantworten. Auch Pflichtverteidiger Klemm stellt spter nochmals den Antrag, auf Fragen zu verzichten. Rolf Erb habe die Fragen schon in der Untersuchung beantwortet, es sei alles in den Akten. Der Antrag wird abgewiesen mit der Begrndung, auf das rechtliche Gehr knne nicht zum Voraus verzichtet werden. Es sei keine Schikane gegenber Rolf Erb.
Gerichtsprsident Sager stellt zuerst die Fragen zu den persnlichen Verhltnissen. Rolf Erb beantwortet keine einzige. Vor allem die Fragen zu seiner Familie scheinen ihm nahe zu gehen, man hrt ihn schniefen. Dann kommen die Fragen zur Sache dran. Rolf Erb schweigt beharrlich. Er beantwortet nur eine einzige Frage, weil die in der Untersuchung nicht gestellt worden sei.
Damit ist der heutige Tag gelaufen. Fr mich ist es schon etwas enttuschend, dass die ffentlichkeit so wenig erfahren hat. Die Befragung wre fr Rolf Erb auch eine Chance gewesen, sich zu verteidigen. Trotz allem ist es mir persnlich eigentlich nicht so wichtig, ob Rolf Erb bestraft wird oder nicht. Wichtig wre fr unser Quartier, dass mit dem Zentrum Tss endlich etwas geht!


Zuletzt aktualisiert am Sonntag, den 30. November 2014 um 12:39 Uhr
 

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